Ein Besuch im Libanon

Veröffentlicht am 14.03.2016 in Internationales

Jakob. v. Weizsäcker, MdEP

In einem Erfahrungsbericht von seiner Reise in den Libanon berichtet unser Europaabgeordneter, Jakob v. Weizsäcker, über das Leben einer Familie im Libanon, die Situation der 1.Mio. Flüchtlinge und die Folgen der letzten großen Fluchtbewegung in den Libanon.

Neulich war ich zu Besuch bei einer syrischen Flüchtlingsfamilie im Süden des Libanon. In ihrer syrischen Heimatstadt hatten sie einen Elektroladen. Nun leben sie seit 3 Jahren in einem selbstgebauten Hüttchen (siehe Foto) neben einem Acker. Der Bauer, dem das Feld gehört, hat Mitleid. Er verlangt für den Flecken Erde, auf dem die Hütte steht, keine Pacht. Aber der Acker ist weit weg von der nächsten Grundschule, in die die drei schulpflichtigen Kinder der Familie gehen. 

Die UNO hat mit der libanesischen Regierung vereinbart, dass alle syrischen Flüchtlingskinder gratis in die Schule gehen können. Bei vier Millionen Libanesen und über einer Million syrischen Flüchtlingen ist das nicht selbstverständlich. Im Verhältnis ist das etwa so, als wären nach Deutschland nicht eine Million sondern 20 Millionen Flüchtlinge gekommen. Wo der Platz im Schulgebäude nicht reicht, werden im Libanon die Kinder in zwei Schichten unterrichtet. Nachmittags sind die syrischen Kindern dran. 

Die Schule ist kostenlos. Aber der Schulbus kostet dei Familie etwa 20 Euro pro Kindund Monat. Arbeiten dürfen die Flüchtlingseltern offiziell nicht, und schwarz einen Job zu finden, um die Familie über die Runden zu bringen ist schwer. Es sind einfach so viele Flüchtlinge da.

Gerade hat die Familie, die ich besucht habe, den letzten Schmuck verkauft. Wenn diese Reserve auch noch verbraucht ist, werden wohl nicht mehr alle Kinder in die Schule gehen können. Nach Europa wollte die Flüchtlingsfamilie ursprünglich nicht reisen, um möglichst nah an der syrischen Heimat zu bleiben. Man hoffte auf baldige Rückkehr. Inzwischen hat die Familie einfach kein Geld mehr, um die teuren Schlepper zu bezahlen.

Abends war ich in Beirut in einem armenischen Restaurant. Es bediente eine armenische Studentin, die selbstverständlich fließend Arabisch, Englisch, Französisch und Armenisch sprach. Vor fast 100 Jahren kamen viele Armenier auf der Flucht vor dem Völkermord in die Stadt. Die armenische Kultur ist über diese vielen Generationen im Libanon präsent geblieben, was aber keinen Mangel an Integration bedeutet.

Es ist richtig ist, dass Deutschland nicht alle Flüchtlinge der Welt aufnehmen kann. Aber zu einer augewogenen Flüchtlingsdebatte gehört dazu, dass man sich nicht nur mit Ländern vergleicht, die sehr wenig für die Flüchtlinge tun, sondern auch mit solchen, die mehr tun als Deutschland.

 
 

Social Media


SPD Erfurt bei YouTube Die SPD Erfurt bei FacebookDie SPD Thüringen bei TwitterKontakt zu uns